Synergetik
Session: "Frauenpower"
Bei diesem Fallbeispiel handelt es sich um eine Übungssitzung innerhalb der Berufsausbildung. Die Klientin leidet unter ständigen Magenschmerzen. Sie wurde von ihrer Mutter niemals genährt. Nach einer intensiven Konfrontation wird dies am Ende der Sitzung in einem großen Frauenkreis (Mutter, Omas, Schwester ...) ganz tief nachgeholt.
Th: Laß deine Mutter da sein und sage es ihr und zeig ihr, wies
dir geht.
Kl: Oh Mutti, was machst du?
Sieh dir das doch mal an. - weint - Ich hab keine Kraft, keine Freude, ich hab
kein Leben in mir. Wie schickst du mich in die Welt? - weint heftig - Du saugst
alles aus mir raus.
Th: Wie reagiert sie?
Kl:
Sie sagt, das stimmt überhaupt nicht. Das bilde ich mir nur ein.
Th: Ja. Was macht das mit
dir, wenn sie so etwas sagt?
Kl: Ich stehe da so
hilflos, so wie in einer Höhle, ohne Energie, ohne Kraft. Kann überhaupt
nichts machen.
Th: Zeig ihr doch mal, wie
du das spürst. Wie in einer Höhle, ohne Kraft. Zeige es ihr mal. -
Klientin weint. - Ja, schau hin.
Kl: Mutti, guck dir das an.
Sie guckt überhaupt nicht. Das interessiert sie auch nicht. - weint -
Th: Wie kannst du dafür
sorgen, dass sie schaut, dass sie sich interessiert? Was fällt dir dazu
ein, was möchtest du jetzt gerne machen? Was für ein Impuls ist da?
Kl: Ich mach mich einfach
unsichtbar, wie ich das immer gemacht habe.
Th: Willst du das jetzt wieder
machen oder willst du das jetzt anders machen? Was möchtest du von deiner
Mama? Spür mal in dich rein. Was möchtest du von deiner Mama?
Kl: Das geht mir jetzt zu
schnell. So weit bin ich noch nicht.
Th: Ja, dann spür noch
ein bisschen rein. Was ist jetzt?
Kl: Ich muß einfach
das Gefühl haben, in meinem Leben immer unsichtbar zu sein. Immer mich
zu verkriechen, als ob ich gar nicht da bin, einfach nur leise, lautlos, ganz
lieb.
Th: Ja. Bloß nicht stören.
Kl: Bloß nicht auffallen,
dass mich bloß keiner sieht.
Th: Ja, spür mal rein,
wie sich das anfühlt.
Kl: Ich hab überhaupt
kein Recht, Raum einzunehmen. - weint - Ohne Frage einfach, einfach nicht da.
Th: Spür, wie sich das
anfühlt, sich so unsichtbar machen zu müssen, nicht zu spüren,
immer lieb sein. - Klientin weint. - Kannst du mal in dich reinspüren,
wenn du soweit bist, ob du immer unsichtbar bleiben willst, ob du dich immer
verstecken möchtest, ob du immer unauffällig bleiben willst oder ob
du irgendetwas verändern willst?
Kl: Mutti, jetzt komm mal
her und guck dir das an. Guck, was aus mir geworden ist. Ich bin völlig
unsichtbar. Ich trau mich nichts, überhaupt nichts. Ich möchte überhaupt
nicht da sein. Du hast mir keinen Lebensimpuls gegeben, überhaupt keinen.
Du hast mich nur immer runtergemacht. Kind, was bist du so knochig. Was hast
du für ein spitzes Kinn. Deine Nase ist aber groß. Ich habe mich
nur hässlich gefühlt. Auch noch. - weint heftig - Und dann kam meine
Schwester. Sie war genau das Gegenteil. Alles rund. Ich hab sie so beneidet.
Th:
Sagst du es deiner Schwester mal direkt?
Kl: Liane, ich hab dich so
beneidet. Alles war rund an dir. Die Stupsnase, das runde Gesicht. Du warst
klein und pummelig. Ich beneide alle Leute, die rund sind. - weint -
Th: Schau doch mal, wies
ihr mit deiner Mutter geht, mit ihrer Mutter.
Kl: Auch schlecht. Sie war
einfach zu dick.
Th: Sagst du es ihr direkt?
Kl: Mutti, egal, wie man war,
man war nie richtig.
Th: Hat sie das gehört?
Kl: Ja, sie hält sich
die Ohren zu.
Th: Ah, ja. Aber sie ist jetzt
da und schaut dich an?
Kl: Nein, sie guckt runter.
Th: Was möchtest du ihr
sagen?
Kl: Ich nehme ihr die Hände
von den Ohren und schrei es ihr in die Ohren.
Th: Ja, mach das. - Klientin
schluchzt. - Was willst du ihr in die Ohren schreien?
Kl: Mutti, du hast uns nur
fertiggemacht. Du hast keinem auch nur irgendwo einen Lebensimpuls gegeben.
Dass es einem Spaß macht, da zu sein, dass man sich gut fühlt und
dass man Mut hat, ins Leben zu gehen. Dass man Vertrauen hat zu sich selbst,
gar nichts. Liane nicht und mir auch nicht.
Th: Hat sie es gehört?
Kl: In das eine Ohr rein,
aus dem anderen wieder raus.
Th: Gut, dann schau mal, was
du tun kannst, dass sie es hört, dass es ankommt. - Kl. schluchzt. - Was
fällt dir ein? Du darfst alles machen.
Kl: Ich nehme sie am Hals
und würg sie. - weint -
Th: Ja. Was passiert?
Kl: Ich trete ihr die Augen
aus dem Kopf und jetzt fällt sie auf die Erde. Und ich trete noch drauf.
- atmet tief durch -
Th: Wie ist das für dich?
Kl: Noch beschissener, aber
auch irgendwo erleichtert ein bisschen. - Sie soll es ihr direkt sagen. - Irgendwie
finde ich es beschissen, dich so zu behandeln, aber es tut mir auch irgendwo
gut. - atmet tief durch. - Aber sie steht wieder auf. Sie hat eine enorme Energie.
Th: Schau mal, ob sie dir
jetzt zuhören kann, wo du dich bemerkbar gemacht hast.
Kl: Mutti, mir ist ganz schlecht.
Mein Leben lang habe ich dich immer bedauert. Du bist ja so arm dran. Es ging
dir ja so schlecht in der Ehe mit dem Papa. Aber heute weiß ich, dass
du ihn genauso fertig gemacht hast.
Th:
Lass den Papa herbeikommen.
Kl: Ja, Papa, komm mal her.
Du wolltest auch nur geliebt werden. Aber Mutti hat keinem Liebe gegeben. Und
sie hat dich mir weggenommen auch noch, entfremdet. Ich hab dich so lieb gehabt.
Th: Wie reagiert er, wenn
du ihm das sagst?
Kl: Ja, er nimmt mich in den
Arm. Papa, ich hab immer gedacht, du bist der Schlimme und der Böse. Aber
irgendwo hat die Mutti genauso ihren Teil daran, dass alles so schlimm war.
- Atmet tief durch. -
Th: Wie reagiert er?
Kl: Irgendwie versteht er.
Er versteht einfach. Die Mutti kapiert überhaupt nichts. Sie hat nie etwas
kapiert. So engstirnig. Alles zu. Mutti, du bist so zu. Du kriegst auch nie
was mit, nie. Du wehrst immer alles ab. Es stimmt alles nicht. Da ist überhaupt
kein Gefühl in dir. - weint - Du bist wie son Felsen, Mutti. Da prallt
alles ab.
Th: Kann sie dich hören?
Hört sie dir jetzt zu?
Kl: Nein, sie hört nicht
zu, aber sie hört es. Sie kann sich nicht entziehen. Aber sie will es nicht
hören.
Th: Was sagt sie denn? Wie
reagiert sie denn?
Kl: Sie sagt, ich sehe immer
alles so übersteigert und so. Ich mache immer soviel Wind.
Th: Lass doch mal den Papa
zu der Mutter sprechen. Was ihm so alles nicht gepasst hat. Wie es ihm geht.
Kl: - weint heftig - Es streckt
die Arme nach ihr aus. Ich weiß nicht, Mutti, was ist denn mit dir los?
Was bist du denn nur? Sie haut einfach ab. Sie zieht sich in ihr Nest zurück.
Th: Hol sie herbei. Abhauen
gilt nicht.
Kl: Mutti, bleib da.
Th: Ist sie wieder da?
Kl: Sie drückt sich ganz
eng an die Wand. Ja, sie will am liebsten weg. - Therapeutin fordert zur direkten
Ansprache auf. - Mutti, du willst am liebsten abhauen. Warum willst du denn
weg? Bleib doch hier. Guck doch, Papi möchte dir Liebe geben. Du hast immer
gejammert, wie schlecht er zu dir ist. Jetzt will er lieb sein zu dir und du
willst es überhaupt nicht.
Th: Wie reagiert sie?
Kl: Irgendwie wird sie immer
kleiner und kleiner. - Sie soll es direkt sagen. - Mutti, du wirst immer kleiner.
Th: Kennst du das Gefühl
aus deinem heutigen Leben, dass du dich immer kleiner machst, wie deine Mutter
jetzt eben? Kennst du das irgendwo her? Oder dass du am liebsten abhauen möchtest?
Kl: Aus meinem heutigen Leben
nicht mehr so.
Th: Hat sich da schon was
verändert? - Klientin bejaht. - Dann lass eine Situation auftauchen, wo
das auch so ist für dich.
Kl: - atmet tief durch - Da
find ich eigentlich keine mehr. Ich sehe mich auch viel größer da
stehen. Ich sehe mich auch ganz gefüllt da stehen. So mit viel Kraft jetzt
dort. Ja, Mutti, guck dir das an. Ich hab einen ganz, ganz langen Weg hinter
mir und das war ein ganz schwerer Weg. Ein verdammt schwerer Weg. Ich hab so
viel arbeiten müssen, so viel kämpfen müssen. Was du mir hättest
mitgeben sollen, das musste ich mir ganz mühsam selbst erarbeiten. Aber
irgendwie fühle ich mich jetzt ganz stark, ganz groß auch.
Th:
Schau sie mal an, wie sie reagiert, wenn du ihr das so erzählst.
Kl: Weißt du Mutti,
ich finde, du kannst stolz auf mich sein. Ich wunder mich, dass du nicht stolz
auf mich bist. Verstehe ich nicht. Ich an deiner Stelle wäre sehr stolz,
wenn ich so eine Tochter hätte. Du siehst überhaupt nicht, was ich
geleistet habe. Du siehst es überhaupt nicht..
Th: Wie reagiert sie denn
darauf, wenn du ihr das so sagst?
Kl: Sie steht da mit großen
erstaunten Augen und kriegt überhaupt nichts mit.
Th: Sags ihr doch direkt,
wie du sie wahrnimmst.
Kl: Ja, Mutti, da wunderst
du dich und staunst auch irgendwie.
Th: Frag sie doch mal, ob
sie was mitkriegt, was du ihr sagst.
Kl: Kriegst du denn überhaupt
was mit? Guck mich doch mal an. Sieh doch mal, wie ich mich verändert hab.
Sieh doch mal, dass ich Farbe bekommen hab. Dass man mich sieht. Und dass ich
es auch mag, wenn man mich sieht. Und sieh mal, dass ich aktiv bin, dass ich
handle und dass ich Mut habe und dass ich mich was traue und immer weiter gehe.
Und dass ich noch lebe.
Th: Zeig ihr doch mal, was
du dir aufgebaut hast in deinem heutigen Leben. Sie wird staunen.
Kl: Ja, guck dir mein Studio
an.
Th: Ja, nimm sie mal mit dorthin.
Kl: Guck dir die vielen Leute
an, die immer kommen und die gerne kommen, die meine Arbeit schätzen und
die mich schätzen. Guck dir die Kontakte an, die daraus entstehen. Und
dass ich mit Menschen rede, mit denen ich sonst nie gewagt hätte, auch
nur ein Wort zu wechseln. Wo ich mich einfach verkrochen hätte. Menschen
in einer gehobenen beruflichen und gesellschaftlichen Position. Und die mich
anrufen, wenn sie einen Gesprächspartner brauchen, wenn sie sich einfach
einen Rat holen wollen oder irgendwo für ihr Leben etwas suchen, dass sie
zu mir kommen.
Th: Sieh sie mal an. Wie reagiert
sie denn jetzt, wenn du ihr zeigst, was du heute alles geschafft hast?
Kl: Ah, ich hab so eine Wut.
Die tut so, als wäre das alles überhaupt nichts.
Th: Teils ihr mit. Brings
rüber. Teil ihr mit, wie wütend du bist.
Kl: Ha, das fällt mir
so schwer.
Th: Ja, drücks
aus und guck was passiert. Es ist deine Innenwelt. Du kannst machen, was du
willst. Schau mal, was deine Beine machen. Magst du lieber weglaufen jetzt,
oder?
Kl: Nee, überhaupt nicht.
Th: Was magst denn machen?
Kl: Ich weiß es noch
nicht.
Th: Verstärk diese Bewegung
in den Beinen mal.
Kl: -Sie tritt mit den Beinen.
- Ja, weißt du Mutti, du bist einfach so eine ignorante Person. Du bist
unerträglich.
Th: Geh rein in dieses unerträgliche
Gefühl.
Kl: Was hast du mich immer
fertiggemacht. Sieh doch mal, was ich einfach geleistet habe, was ich gemacht
habe. Ach, das interessiert dich überhaupt nicht. Du hast keinen Blick
dafür. Kapier ich nicht. Sie sagt, ja, ist schön. Hast du gut gemacht.
Aber das ist so, das berührt sie überhaupt nicht Das ist so völlig
ohne Interesse, ohne Gefühl, ohne irgendeine Empfindung in ihr.
Th: So einfach so dahin gesagt.
Kl: Genau.
Th: Was macht das mit dir?
Was löst das in dir aus, wenn sie einfach so tut als wäre das nichts.
Wo du dich so angestrengt hast.
Kl: Ja ich denke, rutsch mir
doch den Buckel runter. Ich brauche ja nichts mit dir zu tun haben, wenn ich
nicht will.
Th: Bist du auch deswegen
so weit weggezogen von deiner Mutter?
Kl: Na klar. Ich habe keine
Lust, mich damit immer zu konfrontieren.
Th: Und du weißt ja,
deine Mutter ist eh immer bei dir, sie immer in dir, egal wo du hinziehst. Sie
ist immer bei dir. Sie zieht mit. Du kommst nicht drum rum, dich mit ihr auseinander
zu setzen. Teil ihr mit wie es dir geht. Wie es dir geht mit so einer gefühllosen
Mutter. Ist sie noch da?
Kl: Ja, sie steht neben mir.
In dem Studio. - Die Arme der Klientin fangen an zu zittern.
Th: Spür mal in deine
Arme rein. Was möchtest du jetzt gerne machen? Spür mal in deine Arme
rein. Sie fangen an zu zittern. Die möchten bestimmt was tun.
Kl:
Hach, ich möchte sie nehmen und schütteln und schütteln und
so rechts und links eine klatschen. Dass sie mal ein Gefühl kriegt, dass
sie mal was spürt.
Th: Ja. Du weißt ja,
wir haben hier das tolle Dhyando zum Schütteln und zum Klopfen. - Klientin
schlägt mit dem Dyhando auf den Boden. Anschließend lacht sie.
Th: Wie reagiert sie denn
jetzt? Schau mal.
Kl: Ich muß erst mal
gucken, wo sie überhaupt ist. - Sie lacht. - Die ist jetzt da und hat auch
so einen Dyhando in der Hand. - Sie schlägt wieder und lacht dabei.
Th: Und deine Mutter sitzt
dir gegenüber? Was sagt sie denn?
Kl: Sie sagt, genau, genau
so ist es. Und mich hat auch niemand ernst genommen. Ja, Mutti, siehst du. Irgendwie
sitzen wir im selben Boot.
Th: Ja, schau sie mal an,
wie sie jetzt guckt.
Kl: Sie sitzt da und grinst.
Th: Ach, jetzt lacht sie schon?
Kl: Ihr vergeht gleich das
Lachen. Ich weiß noch gar nicht.
Th: Laß den Papa mal
da sein.
Kl: Ja, der Papa hat Humor.
Der hat immer Humor. - Th. fordert zu direkten Ansprache auf. - Papa, du hast
Humor. Das fand ich immer so gut an dir. Jetzt schlagen wir mal alle drei. -
Alle schlagen gemeinsam mit dem Dyhando.
Th: Ja, jetzt schau sie mal
an. Deine Mutter und deinen Vater.
Kl: Die haben alle ganz viel
Energie und strahlen alle über das ganze Gesicht. Und mein Bruder steht
da in der Ecke und sagt, das kapier ich nicht. Du brauchst dich nicht beklagen,
Lars. Du kannst das nicht verstehen. - Atmet tief durch.
Th: Und deine Mutter strahlt
auch?
Kl: Ach, strahlen kann man
noch nicht sagen. Sie lächelt und irgendwo ist da was aufgebrochen.
Th: Wie gehts dir jetzt
mit ihr? Spür mal rein, wie fühlt sich das jetzt an, wenn du sie so
siehst?
Kl: Ja, Mutti, irgendwie fließt
da sowas von dir zu mir, von mir zu dir. Es fängt ganz langsam an.
Th: An welcher Stelle?
Kl: So von Herz zu Herz.
Th: Kannst du es richtig fühlen?
- Klientin bejaht. - Hat es eine Farbe?
Kl: So ein Hellorange, ein
bißchen mehr ins Rot.
Th: Ja, dann laß es
fließen und genieß es.
Kl:
Es fließt ganz rum, von meiner Mutter zu meinem Vater, zu meiner Schwester
und zu mir. Nur mein Bruder ist außen vor. - seufzt - Lars, komm zu uns
in die Mitte. Du gehörst doch auch dazu. - Musik wird eingespielt.
Th: Kommt er in die Mitte?
Kl: Ja. Jetzt fassen wir uns
alle an den Händen.
Th: Wie fühlt sich das
an jetzt, die Familie so verbunden?
Kl: Es ist das erste Mal,
dass ich das überhaupt erlebe.
Th: Ja, laß es ganz
tief in dich einsinken, dieses Gefühl, das Erlebnis. Genieße es.
Kl: Da weben sich jetzt so
Energiefäden von einem Herzen zum anderen, so kreuz und quer. Das ist sehr
schön. - Atmet tief durch und weint etwas. Musik wird eingespielt. - In
meinem Magen da ist eine ganz grosse Wärme, eine ganz tiefe Wärme.
Ich hab das Gefühl, da fängt jetzt auch eine Heilung an.
Th: Ja. Sag es mal deiner
Mama, was du in deinem Magen wahrnimmst.
Kl: Mutti, in meinem Magen
wird es ganz, ganz, ganz warm. Das ist ein schönes Gefühl. Und ich
habe das Gefühl, da findet eine Heilung statt.
Th: Schau mal, hat sie dich
gehört?
Kl: Ja, sie guckt mich jetzt
ganz warm an. Warm und liebevoll.
Th: Wie ist das für dich?
Kl: Das tut gut. - Ja, Mutti,
das tut mir gut. Da habe ich lange drauf gewartet. - Sie legt ganz scheu ihren
Arm um mich. Sie versucht so eine Umarmung. Das kann sie noch nicht richtig.
Das muß sie noch üben.
Th: Wie fühlt sich das
für dich an?
Kl: Ach, ich schnapp sie jetzt
und nehme sie mal in den Arm, damit sie merkt, wie das geht.
Th: Sag es ihr doch selbst.
Kl: Mutti, tut dir das auch
gut, wenn ich dich so in den Arm nehme und du jetzt mich? Ja.
Th: Schau mal, was der Papa
macht, wie er schaut, wie er reagiert, wenn der euch so sieht.
Kl: Ich glaub, der ist ein
bißchen eifersüchtig.
Th: Dann laß ihn doch
mit dazu kommen. Ist das in Ordnung?
Kl: Na ja, bei ihr traut er
sich nicht so, bei mir ja.
Th: Umarmt er dich jetzt?
Oder was traut er sich nicht?
Kl: Ja, mein Papa und ich
können uns umarmen. Papa, ich kann dich gut umarmen, du mich jetzt auch.
Th: Was ist mit deiner Schwester?
Kl: Na ja, die hat mit der
Mutti noch einiges zu klären. - Sie soll es direkt sagen. - Liane, du hast
mit der Mutti noch einiges zu klären, gell? - Ja, sie steht da und weint.
Th: Sag deiner Mama, dass
deine Schwester weint.
Kl: Mutti, guck dir die Liane
an, wie es der geht. Tja, da sagt sie auch wieder, ich hab doch alles getan,
ich hab doch alles getan.
Th: Wie ist das für dich?
Kl: Klar Mutti, so im Äußen
hast du alles getan. Alles, was du arbeiten konntest für uns, was du nähen
konntest für uns, hast du alles getan. Aber so ganz tief drinnen haben
wir von dir keine Nahrung bekommen. Ich hab nicht mal deine Brust bekommen,
siehst du, damals. Du hast gesagt, ich wollte nicht. Aber da war einfach nichts,
was ich hätte nehmen können. Und ich glaube, der Liane ging es auch
nicht viel anders.
Th: Hat sie das gehört?
Kl: Ja.
Th: Wie reagiert sie?
Kl: Ach, sie ist ganz traurig.
Alles hab ich falsch gemacht. - Fängt an zu lachen. Sie muss an die Sitzung
der Therapeutin denken, mit deren Mutter.
Th: Ja meine Mutter und deine
Mutter wären bestimmt Freundinnen. Ja, weißt du was? Willst du die
mal auftauchen lassen, meine Mutter?
Kl: Au, ja. Mutti, guck mal,
da gibt es noch so jemanden. Die Mutter von der Andrea. Guck mal. Auch so eine
ganz christliche Frau. Mit der würdest du dich bestimmt gut verstehen.
Ach Mutti, und eins wollte ich dir schon ganz lange sagen: Ich bin schon ganz
lange aus der Gemeinde ausgetreten.
Th: Und wie reagiert sie?
Kl: Och, erstaunlich gelassen.
Th: Das ist ja toll. Dann
sag doch mal meiner Mutter, dass ich auch aus der Kirche ausgetreten bin. -
Gelächter - Guck doch mal was sie sagt. Ob sie einen Herzinfarkt kriegt.
Kl: Wie heißt denn deine
Mutter?
Th: Frau S.
Kl: Frau S., gucken Sie mal.
Und die Andrea ist auch aus der Kirche ausgetreten. Erst zuckt sie zusammen.
Dann atmet sie ganz tief durch und sagt, na ja, ist ja ihr Leben, nicht?
Th: Super. Gut. Dankeschön,
dass du das für mich erledigt hast.
Kl: Dadurch merke ich jetzt
gerade, ich muß ihr das wirklich sagen. Ich will ihr das auch sagen.
Th: Na, ja. Sie hat ja keinen
Herzinfarkt gekriegt. Ich werde das dann nächstens auch mal probieren.
Sie ist nur mal zusammen gezuckt. Und das hält ja jeder mal aus, gell?
Kl: Das packt sie anders.
Das packt sie. Ja doch.
Th:
Gut, danke. Schau mal, wie es deiner Schwester geht, jetzt. Die hat ja eben
geweint.
Kl: Ja, die stellt sich so
an meine Seite. Wir waren auch immer ziemlich isoliert, jede so voreinander
völlig isoliert. Aber jetzt kommt sie zu mir. Ich nehm sie in den Arm und
so fühlt sie sich schon gestärkt. Ach Liane, hol doch deine Tochter
auch gleich dazu, die Svenja, 17 Jahre, Schilddrüsenkrebs. Genau wie meine
Schwester.
Th: Hol sie mal mit dazu.
Sie soll die Familie mal wahrnehmen. Wie die Familie sich jetzt anfühlt.
Ist sie da?
Kl: Ja, wir stehen alle drei
ganz eng zusammen.
Th: Wie fühlt sich das
an?
Kl: Das fühlt sich gut
an, ganz stark.
Th: Sagst du es den anderen?
Kl: Also, ich fühl mich
gut dabei, wenn ihr so neben mir steht.
Th: Frag sie mal, wie sie
sich fühlen.
Kl: Wie fühlt ihr euch,
wie geht es euch? Ja, ihnen geht es auch viel besser. Es tut ihnen gut.
Th: Dann sollen sie das mal
genießen.
Kl: Ja, Mutti, guck mal, willst
du nicht auch zu uns kommen? Wir haben dich doch lieb, guck mal. Und du hast
uns auch lieb, das weiß ich doch. - Ja, jetzt kommt sie zu uns.
Th: Und der Vater?
Kl: Ach, der gehört jetzt
erst mal nicht dazu. Da sind erst mal wir vier Frauen jetzt.
Th: Eine Frauengruppe. Spürt
die Verbundenheit untereinander.
Kl: Ach Oma, kommt doch mal
mit. Alle beiden Omas. Meine Güte, das wird ja jetzt ein richtiger Frauenclan.
Th: Ja, Frauen macht euch
stark. Wie fühlt es sich an mit beiden Omas noch mit dabei?
Kl: Ach die eine Oma von der
mütterlichen Seite, die ist ja so süß. Die mochte ich immer
so gerne. Sie ist immer so schön dabei. - Oma, ich find das so toll, dass
du jetzt auch dabei bist. Ich hab dich so gerne gehabt. Mit der anderen Oma
ist das ein bißchen schwierig, die ist auch so kalt. - Sie soll es direkt
sagen - Oma, du bist auch so ganz kalt. Aber, ich glaube, das tut dir gut, wenn
du hier dabei bist. Oh, es tut ihr sehr gut. - Ja, sie blüht richtig auf.
Th: Ja, dann spür doch
mal ganz tief die Wärme, die Verbundenheit, diese weibliche Energie. Laß
es ganz tief in dich einsinken, in deinem Körper manifestieren, das schöne
Gefühl. - Musik wird eingespielt.
Kl: Die andere Tochter meiner
Schwester muß auch noch dazukommen, die Julia.
Th: Ja, schau mal, welche
anderen Frauen auch noch dazu kommen können.
Kl: Das reicht jetzt erst
mal. So viel Frauenpower kann man gar nicht aushalten.
Th: Und der Julia, wie geht
es der?
Kl: Super. Das hat sie gebraucht.
Th: Und was sagt sie?
Kl: Die beiden Mädchen,
die Töchter meiner Schwester, stehen jetzt in der Mitte und wir alle drum
herum. Damit sie die ganze Lebensenergie kriegen.
Th: Kannst du spüren,
wie ihr euch gegenseitig nähren könnt?
Kl: Ja. - Atmet tief ein und
seufzt.
Th: Laß es ganz, ganz
tief in dir wirken. Damit sich diese schöne Energie in deinem Körper
manifestieren kann.
Kl: Ja, so für mich hab
ich jetzt das Gefühl, dass es erst mal fertig ist. Es ist rund so.
Th: Ja, ich habe auch das
Gefühl, es ist schön rund. Aber du solltest noch ein bißchen
drin bleiben. Magst du? - Kl. bejaht. - Spüre deine Kraft, die du jetzt
hast. Wo kannst du das denn spüren in deinem Körper?
Kl: Überall. Vor allen
Dingen im Bauch und in den Füßen, in den Beinen.
Th: Und, kannst du wahrnehmen,
wie sich das Gefühl in deinem Körper manifestiert, tief verankert?
Kl: Ja. Ja. Das ist einfach da.
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